Minister Laumann im Interview zum Projekt – kurz gesagt: „Wer mitmacht, gewinnt“! 

„Du kannst die Welt nicht gleich ändern, aber Zeichen setzen, das geht“! Gemäß diesem Zitat des Liedermachers Georg Danzer weist Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann im Interview darauf hin, dass nachhaltige Veränderungen zwar Zeit brauchen, aber in jedem Fall zunächst angestoßen werden müssen. 

Diesen Anstoß hat der Minister mit dem Projekt „NRW – hier hat Alt werden Zukunft“ gegeben und freut sich, wenn die Kommunen, kommunalen Fachstellen und vor allem bürgerschaftlich Engagierten in einem partizipativen Prozess auf „Entdeckungsreise“ gehen und das Projekt zu einer „Fundgrube“ wertvoller Informationen werden lassen, wie Teilhabe von und für Ältere im Quartier erfolgreich gestaltet werden kann. 

Portrait Minister Laumann
Minister Karl-Josef Laumann

Letztendlich kann hiermit ein wichtiger Beitrag zur Daseinsvorsorge geleistet werden, denn wie die meisten Menschen auch, wünscht sich der Minister möglichst lange gesund zu bleiben und in den eigenen vier Wänden leben zu können! 

Im Folgenden finden Sie das gesamte Interview mit Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen. 

Warum haben Sie das Projekt „Nordrhein-Westfalen – hier hat Alt werden Zukunft“ ins Leben gerufen? 

Spätestens die Corona-Pandemie hat uns doch gezeigt, wie wichtig Austausch, Begegnung und Teilhabe sind. Und uns schmerzhaft spüren lassen, wenn das gewohnte Miteinander und Zusammensein nicht mehr möglich ist. Menschen jeden Alters können von sozialer Isolation oder Einsamkeit betroffen sein. Die meisten wissen, sich selbst zu helfen. Mit zunehmendem Alter wird dies jedoch schwieriger: Die Liebsten aus dem Familienkreis oder Freunde sind verstorben, die eigene Gesundheit spielt nicht mehr mit, die Beweglichkeit ist nicht mehr da. Wertschätzung gegenüber der älteren Generation bedeutet für mich eben auch, den Älteren so viele Möglichkeiten wie eben möglich zu bieten, ihr Leben selbstbestimmt und aktiv zu gestalten. Das Leben spielt sich im eigenen Dorf – ich komme vom Land – oder Stadtviertel ab. Und ich habe schöne Beispiele dafür kennengelernt, wie in der unmittelbaren Nachbarschaft Teilhabe gelebt oder gefördert werden kann. Und ich frage mich bei solchen Gelegenheiten immer wieder, warum gibt es das nicht überall? Ich möchte mehr davon! Ich bin überzeugt, es gibt bei uns in Nordrhein-Westfalen viele schöne Ideen und Initiativen, die es verdient haben, weitergetragen zu werden. Darum habe ich „NRW – hier hat Alt werden Zukunft“ ins Leben gerufen. Und eine finanzielle Anerkennung für die „schönsten Projekte“ gehört selbstverständlich dazu! Eine Jury wird Projekte für die Preisauszeichnungen vorschlagen, die wir im nächsten Jahr vornehmen wollen. 

Warum sollten sich Ihrer Meinung nach Kommunen an dem Projekt beteiligen? 

Jede Stadt, jeder Kreis und jede Gemeinde hat die Herausforderungen des demographischen Wandels zu meistern. Wir werden nicht nur alle – hoffentlich bei guter Gesundheit – älter, sondern eine Gesellschaft mit einem stetig wachsenden Anteil älterer Menschen sein. Das ist eine Gestaltungsaufgabe, die viele Lebensbereiche betrifft und auf die Antworten gefunden werden müssen. Einen guten Überblick bietet der 2. Altenbericht NRW, der kürzlich (August 2020) fertiggestellt worden ist, sodass ich ihn im Landtag den Abgeordneten überreichen konnte. „NRW – hier hat Alt werden Zukunft“ soll zu einer ähnlichen „Fundgrube“ wertvoller Informationen werden: Diesmal als Internetseite mit einer digitalen Landkarte, die gespickt ist mit kreativen Lösungen und Hinweisen, wie Teilhabe von und für Ältere im Quartier erfolgreich gestaltet werden kann. Es geht im Kern um Daseinsvorsorge und da haben die Kommunen bekanntermaßen eine besondere Rolle inne. Kurz gesagt: Wer mitmacht, gewinnt! 

Warum ist es Ihnen wichtig, dass besonders bürgerschaftlich engagierte Personen in den Suchgruppen mitwirken? 

In Nordrhein-Westfalen engagieren sich rund 6 Millionen Bürgerinnen und Bürger ehrenamtlich. Bürgerschaftliches Engagement trägt zum sozialen Zusammenhalt bei. Es ist unverzichtbar. Es wird vor allem dort benötigt, wo Menschen Hilfe und Unterstützung brauchen. Viele ältere Menschen bringen sich mit ihren Erfahrungen für andere ein. Diesen Blickwinkel der freiwilligen Helferinnen und Helfer brauchen wir, das Engagement der Älteren für Ältere. Die Seniorinnen und Senioren sollen uns sagen, warum sie in ihrem Quartier welches Angebot gut finden und gerne nutzen. Sie sollen ein stückweit auch auf „Entdeckungsreise“ gehen, denn oftmals sind gute Initiativen nicht bekannt, obwohl sie sich „direkt um die Ecke“ befinden. Darum sollen sich die Engagierten als Gruppe zusammentun und sich auf die Suche begeben. „Teilhabe“ erleben, Angebote besuchen, darüber diskutieren, sich eine Meinung bilden und ein herausragendes „Leuchtturm-Angebot“ in ihrer Heimat für die digitale Landkarte und Preisauszeichnung vorschlagen. Dafür braucht es ein bisschen Zeit, Taxi-Geld sowie Notizblock und Bleistift. Ich finde, ein solches Engagement soll keiner aus seiner eigenen Tasche zahlen müssen. Darum habe ich gesagt, jede Gruppe kriegt ein Handgeld von 300 Euro, damit auch wirklich jede und jeder unbesorgt mitmachen kann. Und natürlich nur so, wie es die Regeln zum Infektionsschutz aktuell zulassen. Darum ist unter bestimmten Bedingungen alternativ eine „digitale Suche“ möglich. 

Kann durch das Projekt die Angebotslandschaft in Nordrhein-Westfalen nachhaltig verändert werden? 

Vom im Jahre 2007 verstorbenen Liedermacher Georg Danzer soll das Zitat stammen, welches da lautet: „Du kannst die Welt nicht gleich ändern, aber Zeichen setzen, das geht“. Nachhaltige Veränderungen brauchen Zeit. Teilhabe ermöglichen und Zugänge schaffen, beide Punkte sind Teil eines Prozesses, der immer wieder neu angestoßen werden muss. Ich bin überzeugt, die Angebotslandschaft in Nordrhein-Westfalen ist vielfältig und trägt schon heute ganz wesentlich zur Lebensqualität älterer Menschen bei. Aber zur Wahrheit gehört auch, es gibt noch weiße Flecken und genauso Unterstützungsangebote, die von Seniorinnen und Senioren – aus unklaren Gründen – nicht wahrgenommen werden. Abgucken und nachmachen, was gut funktioniert, das kann da meiner Meinung nach nicht verkehrt sein, um dem Ziel noch näher zu kommen, Teilhabe in allen gesellschaftlichen Bereichen zu ermöglichen. 

Was wünschen Sie sich für Ihr Alter(n)? 

Wie die meisten Menschen wünsche ich mir, möglichst lange gesund zu bleiben und in den eigenen vier Wänden leben zu können. Und ich hoffe, so gelebt zu haben, dass mich im Alter die Menschen noch leiden mögen und bei mir sind. Denn eines ist klar: Ohne soziales Netzwerk aus Familie und Freunden sowie ehrenamtlichen und professionellen Helferinnen und Helfern, das einen bei Unterstützungsbedarf trägt, wird es nicht gehen. 

 

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